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Teisendorf - 20.09.2008
Ein besonderes Ständchen für den Papst
Von Veronika Mergenthal Teisendorf/Laufen/Rom. Immer wieder brandet aus einer anderen Ecke der Audienzhalle Beifall auf. Menschengruppen jubeln Papst Benedikt XVI. mit gleichfarbigen Wimpeln, Tüchern oder Transparenten zu. Frisch aus dem Bauch heraus singen Afrikanerinnen und reißen die Menge mit. Nach den französisch- und englischsprachigen Gruppen sind die deutschsprachigen dran. In Dirndl sitzen wir, 16 Sopranistinnen und acht Altistinnen der Chorwallfahrt Weildorf-Leobendorf, quasi auf der Lauer, ebenso wie unsere vier Tenöre und sechs Bässe, und summen den Anfangston für das Ständchen für "unseren" bayerischen Papst vor uns hin.
"Wenn ihr aufgerufen werdet, müsst ihr sofort zu singen anfangen", hat uns Reiseleiter Hans Wembacher eingeschärft. Sonst fahre der Ansager einfach mit der nächsten Gruppe fort. Als endlich die Chöre von Maria Himmelfahrt Weildorf und St. Oswald Leobendorf genannt werden, springen wir mit der weißblauen Fahne auf und singen aus voller Brust Psalm 150 von Wolfgang Hein - "Lobet den Herren an heiliger Statt".
Auf die fünftägige Wallfahrt bei Papstwetter mit der Gestaltung von zwei Eucharistiefeiern hatten wir uns lange vorbereitet. Wir, das sind zu gleichen Teilen Mitglieder der Kirchenchöre Weildorf und Leobendorf, vier Sängerinnen des Kirchenchors Anger, darunter die Reporterin, sowie Fans und Angehörige. Seit Ende Februar wurde das Repertoire einstudiert. Dazu gehörte die Gounod-Messe, Taizé-Lieder und Werke von zwei bereits verstorbenen zeitgenössischen lokalen Komponisten, mit denen beide Chorleiterinnen, Pauline Danzl (Weildorf) und Ursula Lang (Leobendorf), noch zusammenarbeiteten.
Zeitweise wohnten sie beide im Laufener Stiftswinkel: Cesar Bresgen und Wolfgang Hein. Bresgen - von ihm probten wir "Ihr Christen rufet an" und "Königin der Himmel" - hatte Anfang der 80-er die uralte Theatertradition der Schiffer aufgegriffen und Mysterienspiele auf den Spuren des Volksdichters Ferdinand Joly geschaffen, wie "Der Joly von Laufen" und die "Loferer Passion". Einige Teilnehmer der Fahrt wirkten damals mit. Den Chor dirigierte anfangs Hein. Später übernahmen die Leitung die Musikfreunde, bei denen Ursula Lang viele Jahre mitsang.
Hein war nicht nur Komponist und Kirchenmusiker, sondern auch Pauline Danzls Orgellehrer. Da freute es sie natürlich "narrisch", dass der Wunsch, dem Papst ein Ständchen zu singen, ausgerechnet mit einem Werk von Hein erfüllt wurde. Hein war zudem mit Joseph Ratzinger befreundet: Das hatte sich aus seiner Kriegskameradschaft mit dessen Bruder Georg ergeben. Noch heute korrespondiert der Papst mit Heins Witwe Marianne.
Deren Antwort auf den Weihnachtsbrief von Benedikt XVI. ließen die Chöre nun über den im Vatikan tätigen Pidinger Priester Thomas Frauenlob zusammen mit einem von allen Wallfahrtsteilnehmern signierten Notenblatt von Heins Psalm 150 dem Papst ganz persönlich zuk Die Generalaudienz verfolgten drinnen und draußen etwa 12.000 Pilger mit. Wir hatten Glück, dass sie wegen der Hitze in die Halle verlegt wurde: Am Petersplatz hätte sich der Gesang ohne Mikro verloren.
Dass wir Pilger waren, spürten wir an den müden Füßen nach unzähligen Kilometern, die uns Wembacher, als "größter Sklaventreiber Roms" berüchtigt, durch die Stadt trieb. "Wir sind nicht auf einer Vergnügungsreise", scherzte Pauline Danzl. Nach der Audienz ging`s zu Fuß über das Pantheon, wo wir auf Empfehlung des zuständigen Priesters Don Antonio bei Top-Akustik vor begeistertem Publikum zwei Lieder sangen, zum Ärger der Aufpasserin jedoch ohne schriftliche Anmeldung, bis zur Spanischen Treppe. Die Entschädigung: ein überquellendes, günstiges Antipasti-Buffet in einem Lokal ganz in der Nähe. Wir sahen viele antike Steine und Hauptkirchen, erfuhren spannende Hintergründe über Historie und Gegenwart der Weltstadt und den Vatikan, quetschten uns zum täglich von 20.000 bis 30.000 Menschen besuchten Grab von Papst Johannes Paul II. und irrten durch das dunkle Labyrinth der Domitilla-Katakomben. Einer der stärksten Eindrükke war die frühmorgendliche Besteigung der Kuppel von Sankt Peter ohne jedes Gedränge: Zwischen ihrer Innen- und Außenwand tasteten wir uns mit schiefem Gang vorwärts und spürten leibhaftig, wie sie gebaut ist. Schon jetzt freuen sich die Sänger auf das Nachtreffen im November.
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